40er Schärenkreuzer Aphrodite Kajüte mit Bootsnamen

Schärenkreuzer: Wohin mit dem Namen?

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Der Name, Heimathafen und Klub steht üblicherweise am Heck des Schiffes. Da passt das alles bei modernen breiten Booten mit entsprechend großem Spiegel hin. Das filigrane Heck des klassischen Schärenkreuzers ist so klein, dass man sich etwas einfallen lassen muss.

40 qm Schärenkreuzer Aphrodite nach Plänen von Gustaf Estlander am Wind auf dem Starnberger See
Der Spiegel dieses Estlander-40ers ist so flach, dass der Bootsname nicht lesbar ist – Foto Helmut Fischer

Die Segler der eleganten, langen Planken kennen dieses Problem seit etwa einem Jahrhundert. Der Münchener Bootsbauer Helmut Fischer brachte ihn bei seinem Neubau des 40er Schärenkreuzers Aphrodite nach historischen Plänen an den Seiten des Kajütaufbau zwischen den Bullaugen an. Wie das erste Foto des Artikels zeigt, nahm er eine altmodische, zu den Messingrahmen passende Schrift.

Kleine Hecks von 22 qm Schärenkreuzern bei einer Regatta auf der Flensburger Förde
Die Spiegel dieser 22er Schärenkreuzer bieten noch Platz für den Namen – Foto Michael Kurtz

Die Größe des Spiegels ist beim Schärenkreuzer weniger eine Frage der Bootsgröße, eher der gestalterischen Vorlieben des Auftraggebers und Konstrukteur des Bootes. Gibt es beim klassischen Schärenkreuzer einen Spiegel, bleibt sogar Platz für die Schrift, soweit kleine Buchstaben genommen werden.

40 qm Schärenkreuzer Aurora mit Bootsnamen seitlich auf dem Rumpf beim Ablegen in Lemkenhafen
40er Schärenkreuzer Aurora in Lemkenhafen – Foto Seglerverein Lemkenhafen

Angesichts der Länge des Schärenkreuzers bietet sich die Bordwand an. So hat es der Fehmaraner Segler Georg Milz bei seinem 40er Schärenkreuzer Aurora gehalten. Und weil bei diesen Antiquitäten ähnlich wie beim Wein das Alter eine Rolle spielt, steht das Baujahr 1920 darunter. Leider erschwert diese in Skandinavien übliche Variante das Nachlackieren des Bootes.

75 qm Bodensee Schärenkreuzer Gun mit den Buchstaben des Bootsnamens aus erhabenen Buchstaben seitlich
75er Schärenkreuzer Gun auf dem Bodensee – Foto Nico Krauss

Deshalb ist der Bootsname beim 75er Schärenkreuzer Gun in erhabenen und abnehmbaren Messingbuchstaben auf der Bordwand angebracht. Da sollten bei Regatten die Bojen nicht zu eng genommen werden und beim Anlegen ist zwischen den Pfählen ebenfalls Vorsicht geboten.

Praktisch ist der urschwedische Brauch, den Bootsnamen am Bug anzubringen, und das Klassenzeichen nebst Segelnummer dazu. So sehen Interessenten gleich am Steg, um welches Exemplar es sich handelt.

Hans Milz beim Ablegen mit seinem 15 qm Schärenkreuzer Romance in Lemkenhafen zur Schlank & Rank Regatt Fehmarn
Hans Milz beim Ablegen mit seinem 15er Romance – Foto Torsten Nitzsche

Ist das Boot in einem Schiffsregister eingetragen, muss der Name auch am Bug stehen. Nachdem ich Jahrzehnte diesbezüglich unbehelligt mit Gamle Swede segelte, erhielt ich vor einer Weile eine Verwarnung, musste für die Ordnungswidrigkeit gemäß „§ 56 Absatz 1 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten (OWiG)“ eine Strafe zahlen und die Buchstaben auch vorn anbringen. So ist Gamle Swede seit 2021 mit einem zusätzlichen Schriftzug am Bug unterwegs. Selbst die Größe der Schrift ist geregelt, nämlich dahingehend, dass sie aus einem gewissen Abstand lesbar sein muss. Ich habe eigens beim Schifffahrtsamt nachgefragt, damit nicht gleich das nächste Knöllchen kommt.

Touren Schärenkreuzer Gamle Swede Typ Swede 55 in Lemkenhafen auf Fehmarn mit dem Bootsnamen am Bug gemäß Vorschrift
Gamle Swede mit Schriftzug am Bug – Foto Swedesail

In den Sechzigerjahren steigerten Bootskonstrukteure die Rumpfgeschwindigkeit mit einer flach aus dem Wasser gehobenen Heckpartie. Bei der Gelegenheit änderten sie den traditionell rückwärts geneigten Spiegel, indem sie dem Heck einen geraden oder vorwärts geneigten Spiegel gaben. Diese Heckform verdankt die Yachtwelt der ehemals olympischen Bootsklasse der 5,5er, wo es mit gewissem Ehrgeiz zur Sache ging. Das gekürzte Deck über einer möglichst langen Abrisskante des Spiegel spart Gewicht. Die Sache wurde später bei den Admiral’s Cuppern auf die Spitze getrieben.

Vorwärts geneigtes modernes Heck des Touren Schärenkreuzers Swede 55
Swede 55 mit einem modernen vorwärts geneigten Yachtheck – Foto Swedesail

Der traditionell zum Wasser hin geneigte Spiegel wird übrigens als positives, der modern geneigte als negatives Heck bezeichnet. Wie die Fotos zeigen, hat Bootskonstrukteur Knud Reimers für Swede 55 einen gemäßigt vorwärts geneigten und sogar leicht gekrümmten Spiegel entworfen.

Der abschließende Blick auf den S30-Nachfolger Swede 41 Classic zeigt, dass der moderne Touren Schärenkreuzer neben etwas mehr Breite und Bordwandhöhe auch Platz für einen größeren, individuell gestalteten Bootsnamen bietet.

Knud Reimers Touren Schärenkreuzer Swede 41 Classic namens Vitesse mit Platz für den Bootsnamen auf dem Spiegel
Swede 41 Classic – Foto Lars Brath

Erstes Foto von Sven Föhring. 27. Mai 2025 veröffentlicht, 7. April 26 aktualisiert. Abonnieren Sie den → kostenlosen Newsletter und Sie verpassen keine neuen Artikel.

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