Daysailer Eagle 44 sailing upwind. View close to the water.

Daysailer mit Kajüte

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Vor einer Weile besuchte ich einmal das Yachtkonstruktionsbüro Sparkman & Stephens in New York. Der damalige Leiter Bill Langan zeigte einige S&S-Entwürfe, es waren große und aufwendig ausgestattete Pötte darunter, und meinte: „Alle Boote sind Daysailer, ganz gleich, wie groß oder komplex sie sind. Es wird morgens oder am späten Vormittag abgelegt, eine Runde gesegelt und nachmittags, spätestens gegen Abend, wieder zurückgekehrt. Die meisten Eigner haben Familie, einen Beruf und andere Interessen.“

Daysailer mit Übernachtungsmöglichkeit

Wenn Sie einmal Ihre tatsächliche anstelle der erhofften Segelpraxis der vergangenen Jahre Revue passieren lassen, kommen Sie vermutlich zur gleichen Beobachtung. Sollte das Fazit von Bill Langan stimmen, müssen wir Boote fokussierter auf die reale Nutzung denken. So viel Volumen und ablenkende Extras, wie uns die Branche ständig suggeriert, müssen es also gar nicht sein. Es sollte im Wesentlichen Spaß machen und aussehen. Ist es flachbordig, bietet es während weniger entscheidender Stunden Nähe zum Wasser und intensiven Segelgenuss.

Swede 41 Classic bietet mit leicht angehobenem Freibord etwas mehr Volumen unter Deck

Natürlich sollte es auch menschliche Bedürfnisse wie Vespern, Kaffeekochen, Toilettenbesuch, Katzenwäsche mit Zahnputzgelegenheit erfüllen und eine Übernachtungsmöglichkeit bieten. Dazu reichen Bückhöhe unter Deck und Stehhöhe im offenen Niedergang.

Touren Schärenkreuzer Swede 41 Classic, Baunummer 2. Daysailer  mit Kajüte, Vitesse in den westschwedischen Schären
Daysailer mit Kajüte: Swede 41 Classic Vitesse in den westschwedischen Schären – Foto Lars Brath

Der Drachen als ultimativer Honeymooner

Im Prinzip langt also der Komfort eines Jollenkreuzers, eines Drachen oder Lacustre (recht eng), eines Folkebootes (etwas besser). Letzterer ist als Fahrtenschiff der ultimative Honeymooner und schon deshalb das geeignete Testboot vor Ansteuerung des sogenannten Ehehafens. Zwei Wochen Urlaub im Drachen und der „Rest“ kann zumindest seglerisch nicht schiefgehen. In diesem aparten Kielboot ist immer Platz für die Pütz, gibt es einen trockenen Winkel für die Luftmatratze, Schlafsack und Zahnbürste.

Der Käfer-Effekt

Ich kenne Segler, die mit leuchtenden Augen von ihren jungen Jahren und manchem Törn mit solchen Schiffen berichten. Es ist wie mit dem Käfer. Man war jung und insgesamt näher dran. Das erklärt die Renaissance des Daysailers. Der vor einigen Jahren verstorbene italienische Segelfreund Mario Steiner segelte mit seiner Frau Anna von Genua aus gern die italienische Riviera entlang bis zur Côte d’Azur und nach Ligurien zurück. So verbrachten die beiden die schönsten Wochen des Jahres an Bord, bevor sie sich für etwas komfortablere Boote entschieden, die den beiden Stehhöhe und ihren Kindern eine separate Achterkajüte bot. Die Steiners ersetzten ihren Drachen zunächst durch einen S30 Touren Schärenkreuzer und segelten dann Jahrzehnte ihre Swede 55 namens Viveka. Sie lag viele Jahre in Rapallo, später an der Adria in Jesolo und Chioggia. So erkundeten die Steiners das toskanische Archipel und die Adria mit der kroatischen Inselwelt.

Moderner 55 qm Schärenkreuzer von Håkan Södergren, 1984 fünfmal gebaut
Sensibler Segelgenuss mit Jollenfeeling. Södergrens 55er Schärenkreuzerneubau von 1984

Daysailer als Nachmittagsboot

Seltsamerweise wird beim Daysailer von einem von einem sogenannten „Trend“ gesprochen. Nun gibt es das Konzept des einfach vom Steg zu schubsenden und flott nutzbaren hübschen Bootes schon lange. Es ist gut hundert Jahre alt und somit kein Trend. Die sogenannten L-Boote, eine Art Volksausgabe der von Kaiser Wilhelm II. geförderten Sonderklasse, wurden so liebevoll wie zutreffend „Nachmittagsboot“ genannt. Diese überzeugend schlichte Bezeichnung in unserer schönen deutschen Sprache erscheint passender.

Schöner Lookalike

Die Eagle 44 der niederländischen Leonardo-Werft in Sneek östlich des Isselmeers wurde vor einer Weile vom Amsterdamer Yachtarchitekten Gerard Dykstra gezeichnet. Mit ihrem modernen Unterwasserschiff, bestehend aus einem modernen Flossenkiel vor einem ebensolchen Spatenruder achtern ist die Eagle 44 ein elegantes Boot, das sich allein oder zu zweit gut handhaben lässt. Es ist aus pflegeleichtem Kunststoff und dort, wo man es sieht und viel davon hat, mit einem Teakdeck und einem Mahagoni-Ausbau verschönert.

Spritzkappe wie beim Drachen

Die niedrige Spritzkappe erinnert ein wenig an die Hutze des Drachen. Sie steht dem Boot vor dem umlaufenden Süllrand ausgezeichnet. Auch die Segelgeometrie mit der leicht überlappenden Fock macht eine bella figura. Mit dem gestreckt flachen Achterdeck, das bis zum traditionell geneigten Heckspiegel über einem wunderbar niedrigen Freibord geführt ist, endet die Eagle 44 wie eine veritable Yacht.

So hat die Eagle 44 all das, was der von Nutzwertgesichtspunkten geprägte Serienyachtbau die vergangenen Jahrzehnten abgeschafft hat. Damit die Lebensgefährtin bei passendem Wetter lieber mitkommt als beim Drachen oder Lacustre, bietet der 2,76 m breite Schlitten den nötigsten Komfort, also eine Bordtoilette, eine Badeleiter, eine Handbrause zum Duschen nach dem Schwimmen, ein Waschbecken und eine Kühlbox. Es gibt sogar eine Einbaumaschine für die Flaute am Sonntagnachmittag und für das bugspitzenschonende Anlegemanöver. Größere und schwerere Daysailer lassen sich schlecht paddeln.

Daysailer mit Kajütaufbau. Der Tourenschärenkreuzer Swede 41 Classic Vitesse in den westschwedischen Schären
Nachmittagsboot Swede 41 Classic mit steilem Lüffelbug und gestrecktem Kajütaufbau – Foto Lars Brath

Für den Fall, dass die Nacht auf dem Wasser verbracht wird, gibt es eine Doppelkoje im Vorschiff, eine Batterie für das Ankerlicht und Leselampen. Stehhöhe wäre schon, ist aber nicht drin, wenn das Boot bei 13,33 Meter Länge aussehen soll. Stehhöhe zum An- und Umziehen, oder die Katzenwäsche bietet die Plicht. Dort sind im großen Tisch die Spüle und Kühlbox pfiffig unter glänzend lackiertem Mahagoni versteckt. In der Plicht gibt es, wie beim Drachen, Lacustre, Folkeboot oder klassischen Schärenkreuzer volle Stehhöhe bis zum Sternenhimmel. So ist es auch bei der Swede 41 Classic.

Zwei Tiefgangsversionen

Damit die Schönheit auch in den flachen niederländischen Gewässern Käufer findet, gibt es die Eagle 44 mit ganzen 1,35 m Tiefgang und für Tiefwassersegler mit einem optionalen zwei Meter Kiel. Für den Fall, dass man mit dem 72 m2 Renner mal in eine Gewitterfront gelangt, erhielt das Boot mit der großen Plicht ein selbstlenzendes Cockpit. Die 39 Prozent Ballastanteil erscheinen mir bei dem schlanken Boot, das bei viel Wind maßgeblich auf das Kielgewicht angewiesen ist, etwas mager. Vorbilder wie die historische J-Class oder Meterklassen sind mit bedeutend mehr, oft sechzig Prozent, unterwegs. So wird die Eagle 44 den tieferen Kiel brauchen. Die Swede 41 Classic ist mit 50 Prozent unterwegs. Ich habe mich nach dem Probeschlag einmal näher mit der beeindruckenden Steifigkeit des Bootes und dem entsprechenden Segeltragvermögen beschäftigt. Den entsprechenden Link finden Sie unter dem Artikel.

Man könnte über das prominente Steuerrad (klassische Yachten dieser Größe haben eine Pinne) und die flämische Polstergarnitur mit der Herrenseglerbank der Eagle 44 achtern schmunzeln. Die gedanklich in üblichen Nutzwertkategorien gefangene Bootspresse stellt dem Platzangebot unter Deck den Preis gegenüber. Bei dieser seltsamen Perspektive kommt wenig überraschend heraus, dass es mehr Koje und Klo fürs Geld gibt. Nun guckt sich klar sehender Mensch einen Maserati an und stellt fest, dass in einen Touran mehr hineingeht.

Von Old Salt zur Eagle 44

Es brauchte Gerard Dykstra, der sich in jungen Jahren mal einen Sechser für das IJsselmeer zurechtmachte, mit diesem Boot namens Old Salt weite Reisen machte, und die Leonardo Werft, um das Nachmittagsboot-Konzept frisch gemischt und mit pfiffigen Details gespickt neu aufzutakeln. Die für ein Boot dieser Kategorie beachtliche Stückzahl immerhin mehrerer Exemplare in den vergangenen Jahren bestätigt die Kühnheit, heute einfach mal ein zunächst schönes und auch ein klein wenig praktisches Boot zu bauen. Das große Plus gegenüber klassischen Meteryachten wie dem Sechser ist dabei, dass man von der Kajüte zur Plicht der Eagle 44 keine Leiter braucht. Und dass es in dieser Plicht ringsum gemütlich ist, man sich anlehnen kann und ein ausgebautes Vorschiff mit zwei Kojen gibt.

Das Muddikriterium zum Schluss

„Du musst die Boote so bauen, dass Muddi mitkommt“, meint Michael Schmidt in seiner direkten Art. Als Gründer von Hanse Yachts und jetziger Inhaber von YYachts ist er derart erfolgreich, dass 2026 angeblich das 50. Exemplar seiner bulligen YYachts am Greifswalder Bodden aufgetakelt wird. Diese Erzeugnisse bieten schon im Ankerkasten volle Stehhöhe.

Viele Segler und ihre „Muddis“ wenden sich von den hochbordigen Nutzwertbombern dieses Kalibers ab. Schlanke, elegante und flachbordige Nachmittagsboote mit Übernachtungsoption sind eine andere Welt. Die Nähe zum Wasser und das sensible Feeling an der Pinne sind während still genossener Stunden wunderbar.

Tourenversion des klassischen Schärenkreuzers vom Typ Swede 41 Classic. Ein Daysailer mit Übernachtungsoption. Hier die Baunummer 2 in den westschwedischen Schären
Daysailer Swede 41 Classic mit Linien der Siebzigerjahre – Foto Lars Brath

Foto oben von Leonardo Yachts: Eagle 44 beim Probeschlag in Holland. Dank an Lars Brath und Richard Natmeßnig für weitere Fotos und Informationen zu Swede 41 Classic. 16. März 26 veröffentlicht, 24. März 26 aktualisiert. Abonnieren Sie den → kostenlosen Newsletter und Sie verpassen keine neuen Artikel.

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