
Leichtwindsegeln
Schärenkreuzer sind schlanke, lange, leichte und entsprechend sensible Boote, die bereits bei wenig Wind Fahrt machen. Deshalb sind sie in geschützten Gewässern wie den schwedischen, speziell den ostschwedischen Schären, und in Leichtwindrevieren wie den süddeutschen und schweizerischen Seen seit jeher beliebt. Bereits bei einem Hauch von Wind, der soeben die Wasseroberfläche schubbt, geht etwas. Besonders bei den 40ern der 1910 und frühen Zwanziger Jahre, die zugunsten des geringen Wasserwiderstand besonders schmal gehalten wurden.
Als nun in den Siebzigerjahren die Tourenversion des klassischen Schärenkreuzers aufkamen, gerieten sie zugunsten der Wohnlichkeit und des Komforts unter Deck breiter und deutlich schwerer. Stehhöhe, Pantry, der Toilettenraum, Tanks, die schwere Einbaumaschine und umfängliche Ausstattung zum Fahrtensegeln haben ihren Preis. So erstaunt es nicht, dass zwischen dem Segelgenuss eines sensiblen 40ers und beispielsweise Swede 55 Welten liegen. Es ist schlichte Physik.
Klassischer 40er Schärenkreuzer Estlander 1923
| Länge | 14,33 m |
| Länge Wasserlinie | ≈ 9,60 m |
| Breite | 1,79 m |
| Verhältnis Länge/Breite | 8,4 : 1 |
| Verdrängung | ≈ 3 t |
| Am Wind Besegelung | 55 qm |
| Segeltragezahl | 5,1 |
Eckdaten Swede 55
| Länge | 16 m |
| Länge Wasserlinie | ≈ 13 m |
| Breite | 3 m |
| Verhältnis Länge/Breite | 5,3 : 1 |
| Verdrängung | ≈ 8,5 t |
| Am Wind Besegelung | 74 qm |
| Segeltragezahl | 4,2 |
Wie das Foto der Ansteuerung von Orth auf Fehmarn bei etwa einer halben Windstärke zeigt, geht dennoch bei einem Hauch von Wind etwas. Es waren nach meiner Erinnerung vielleicht eine halbe Windstärke.
Wie in alten Jollenseglerzeiten wurde das Boot mit der Crew möglichst weit vorn in Lee hockend ein wenig auf die Seite gelegt, damit die Segel besser stehen. Ganz freiwillig war die Sache nicht, denn aus einem unerfindlichen Grund hatte der Motor im Langslandbelt den Dienst eingestellt. Ein Angelboot hatte uns den Abend vorher nach Spodsbjerg geschleppt. Morgens gelangten wir irgendwie unter Segeln aus dem Hafenbecken. Auch die quälend langsame Querung der viel befahrenen Schifffahrtsrouten vom Fehmarnbelt nach Kiel war gut gegangen.

Knud Reimers hatte für solchen Wind eine Genua I mit 48 qm vorgesehen.
